Nondualität

Wir beziehen uns auf unseren indischen Lehrer Swami Shyam und Ulrich Hennigs, genannt Gandhi, der sich zu einem großen Teil auf den Kashmirischen Shaivismus bezieht Es ist eine nonduale tantrische Tradition des Hinduismus.
(siehe www.shyamspace.com und U. Hennigs: Paratrisika).

Devta
Zentral ist dabei der Begriff der Nondualität oder Unterschiedslosigkeit oder Anuttara (Sanskrit). Das, was keinen Vergleich hat, das Unvergleichliche, das Höchste.
Wir leben in einer Welt, die an Unterschiede gebunden ist, sonst würden wir nichts wahrnehmen. Unsere Wahrnehmung ist an Kontraste, an Unterschiede gebunden. Die indische Tradition geht davon aus, dass eine Wirklichkeit ohne Unterschiede die von uns wahrgenommene Unterschiedlichkeit durchdringt und dass daraus die Welt entstanden ist, wie wir sie bemerken. Aus dem Subtilen, Feinen, nicht Wahrnehmbaren entsteht die Welt mit all ihrer Vielfältigkeit. Erscheinung nimmt also einen unserer Vorannahme entgegen gesetzten Weg. Aus Bewusstsein entwickelt sich die Materie und nicht umgekehrt, wie unser naturwissenschaftlicher Standpunkt uns glauben lässt.

 Aus der unterschiedslosen nondualen Einheit von Shiva und Shakti, Mann und Frau, aus Licht und Energie entsteht die Welt der Erscheinungen.
Die sogenannten Tattvas (Prinzipien des Schöpfungsplans im kaschmirischen Shaivismus) erläutern die Entfaltung der psychischen Eigenschaften, die die Seele ausmachen, folgendermaßen: Die Allgegenwärtigkeit von ShivaShakti wird in Teile zerlegt und zeigt sich als Individualität. Die Allwissenheit wird durch Wissen begrenzt und erzeugt Unwissenheit. Die Ganzheit ShivaShaktis wird durch Wünsche begrenzt und
bewirkt Unzufriedenheit. Die Ewigkeit wird von Zeit begrenzt und der Tod entsteht. Die Allmacht ShivaShaktis wird durch Schicksal begrenzt und bringt uns ins Leben. So entsteht aus der Unbegrenztheit der Nondualität das Leben mit seinen Begrenzungen der Dualität. Leben entwickelt sich aus dem ungeteilten Bewusstsein hin zu den Erscheinungen, vom

Bewusstsein zur Materie. Dies wird durchaus als ein gewaltsamer Akt verstanden. Am Beginn der Welt wird das Absolute, das Unberührte, das Ungeborene durch den Pfeil des Heulers (Rudra) verletzt und tritt in Erscheinung. (aus G. Peltzer: KashmiriIdolscher Shaivismus und Psychotherapie)

Indem wir geboren werden treten wir in Erscheinung und entwickeln uns zu einer Person mit einem Ich. Damit tritt auch der Tod in Erscheinung, der die Erscheinung beendet. Tatsächlich sind wir aber die Stille, die ohne Anfang und Ende, ohne Geburt und Tod ist. Diese Stille zeigt sich im Jetzt (E. Tolle: Jetzt). In dieser Stille verändern und wandeln sich alle Eigenschaften der Person, des Ich. Diese Stille hat keine Eigenschaften, sie ist still und jenseits davon. Stille Meditation, Achtsamkeitsübungen, Wahrnehmungsübungen können das Fenster zu dieser Stille öffnen, die unser eigentliches Sein ist.

Man kann den Wind nicht einladen, aber man kann das Fenster öffnen.

Dies ist eng verbunden mit buddhistischen Traditionen, besonders dem Dzogzen und drückt sich im Mantra des Herzsutra aus: „Gate gate paragate parasamgate bodhi svaha.“ Gehen, gehen, über das Gehen hinausgehen, über das Hinausgehen hinaus gehen, Verbeugung vor dem Sein.